Es ist soweit

Ich schliesse die Augen, öffne sie wieder und die farbigen Holzklötzchen an der Wand schieben sich in einander, bewegen sich fliessend und lassen mich ahnen, dass das hier echt ist. Von meinem Bodenplatz auf der Matratze wage ich einen Blick in Richtung Monstera. Sie ist wirklich gross und wächst fast bis zur Decke. Wie sie da so in der Ecke steht, nimmt sie mich wahr und verformt ein Blatt zu einer Piranha. Sie winkt mir damit zu und sucht Kontakt. Ich lasse mir von dieser Pflanze keine Angst einjagen. Soll sie doch Monsterfische formen, ich weiss, dass sie eigentlich freundlich ist und mich willkommen heissen möchte.

Dann wende ich mich Markus zu, der sich auf einen Clubsessel niedergelassen hat und mit mir wartet. Wir verständigen uns kurz und er informiert meine Frau, die jetzt auch weiss, dass sie mich am Abend nach einer LSD-Reise abholen muss. Wir beginnen mit Musik. Markus lässt Enya singen und mir kommt es vor, als öffne sich der Himmel. Nur Engel können so singen. So muss es sein, wenn ein gehörloser Mensch das erste Mal in seinem Leben Töne hört. Ich höre und weiss, dass mein Hören davor nichts gegen das war, was ich jetzt wahrnehme. Ich habe auch heute, viele Monate später, keine Worte für dieses Erlebnis.

Selbst die besten Boxen dieser Welt können nicht einmal entfernt diesen Sound herstellen, den ich vernehme. Ich kann Musik fühlen und hören. Alle meine Sinne hören. Jeder einzelne Ton perlt durch meinen Blutkreislauf, lässt mich verschmelzen mit dem Klang, hebt mich hoch in andere Sphären, schenkt mir ungeahnte Erlebnisse.

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