An die Tage nach meiner ersten LSD-Erfahrung kann ich mich noch gut erinnern. Mir ging es nicht nur gut, ich fühlte mich eins mit der Welt und wollte dieses überschäumende Gefühl mit allen mir nahen Menschen teilen. Ich wollte Liebe bekunden, Umarmungen schenken, Geistesblitze teilen, Gefühle austauschen und in Reiseerinnerungen schwelgen. Meine Depression war wie weggeblasen, mein Mitteilungsbedürfnis enorm.

Meine Frau fand das jedoch eher anstrengend. Sie hatte nicht Musik gehört wie ich oder tanzende Pflanzen begrüsst. Sie ging einfach arbeiten und wenn sie nach Hause kam, erzählte ich ihr all das, was mich bewegte. Teilweise wirkte sie irritiert und konnte mir auch nicht folgen. Für mich ebenfalls beglückend war, dass ich wieder schlafen konnte. Wie kostbar die Fähigkeit zu schlafen ist, weiss man erst nach schlaflosen Nächten voller Grübeleien. So freute ich mich auch jeden Abend auf mein Bett. Ich wusste ja, dass ich mich hinlegen und einfach einschlafen würde. Meine Träume waren bunter und lebendiger als zuvor.

Das alles mag meine Erwartungshaltung vor der nächsten „Reise“ geprägt haben. Ich hatte mich so auf diese zweite Erfahrung gefreut und fühlte mich danach ernüchtert. In meinem Empfinden war dieser zweite Kontakt mit Verum kein grosser Gewinn. Meine Frau meinte jedoch, dass ich aus der Euphorie zurück auf die Erde gereist sei und danach wieder im Land der Menschen angekommen sei. Im Rückblick sehe ich auch die zweite LSD-Gabe als grossen Gewinn. So vieles hat sich grundlegend verändert.

Die Flut hat den Strand meiner psychischen Struktur leergefegt und ganz neues Strandgut liegt nun an meinen Ufern. Ich blicke auf das Meer meiner Erfahrungen und sehe neue Inseln, die sich mir auftun. Darüber freue ich mich.

Die eine Insel heisst „Gotteserfahrung“. Sie ist absolutes Neuland für mich, war ich doch Zeit meines Lebens bekennender Agnostiker. Die Substanz hat mich etwas erleben lassen, das mich darin bestärkt, an eine höhere Kraft zu glauben, an etwas, das das Universum liebevoll zusammenhält. Für mich ist es die Quelle allen Ursprungs, also auch meines eigenen. Er gibt mir Kraft und Hoffnung, dass ich Teil dieser Kraft bin, von der ich komme und auf die hin ich lebe.

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