Zwischenzeit

Die Zeit nach meiner ersten Reise war aufregend für mich. Jeden Tag entdeckte ich neu, dass meine Sinne funktionierten. Kleine Dinge erfreuten mich plötzlich. Ich war dankbar, dass ich hören, riechen, wahrnehmen konnte. Mein morgendlicher Kaffee erfüllte mich mit grosser Freude. Die Farben wirkten heller, freundlicher. Die Natur um mich herum, diese wunderbare Schweiz, fiel mir plötzlich auf und ich konnte den Anblick des Alpenpanoramas geniessen. Das alles war so überwältigend für mich, dass ich am liebsten den ganzen Tag davon und nur davon geredet hätte. Meine Euphorie wirkte auf die Mitglieder meiner Familie etwas befremdlich.

„Was will der denn jetzt?“, mögen sie sich gedacht haben. Der Alltag hielt Einzug. Mein Sohn musste Schularbeiten machen, sich Richtung Decke strecken und Vokabeln lernen, meine Frau war jeden Tag mit ihren Themen von der Arbeit beschäftigt und ich sass da, mit einem bunten Strauss voll Erfahrungen und hatte kaum jemand, der mir folgen konnte. Umso mehr freute ich mich, dass ich innerhalb der Studie betreut wurde und regelmässig mit Markus sprechen konnte. Er verstand mich, konnte nachvollziehen, was da gerade bei mir geschah und mich in meiner Transformation unterstützen. Meine Familie war ja schliesslich das Leben mit einem depressiven, kranken Mann mit schlechter Laune gewohnt. Dass ich so plötzlich anders war, dass viele alte Verhaltensweisen einfach von mir abgefallen waren, das konnten sie nicht so schnell verstehen. In dieser Zeit gab es daher immer auch wieder Spannungen und Missverständnisse.

Hej, ich war in einem Überschallflugzeug namens LSD durch meine seelische Landschaft gepflügt und hatte für mich Dinge geklärt, für die andere möglicherweise jahrelang Therapie machen müssen. Dass Frau und Kind sprach- und atemlos danebenstanden und sich unser Familiensystem erst noch neuformieren musste, war eigentlich klar.

So vergingen die Wochen und es wurde Zeit, dass ich mich auf die nächste LSD-Gabe vorbereitete. Ich hatte das Gefühl, dass ich ja jetzt wisse, worauf ich mich einlasse. Als „Eingeweihter“ kannte ich mich ja jetzt aus und freute mich auf die kommende Erfahrung. Da die Studie zwar mit einem Doppel-Blind-Versuch arbeitete, aber klar war, dass bei den vier Gaben jeweils entweder das Placebo in Folge oder LSD in Folge gereicht würde, wusste ich diesmal sicher, dass ich Verum verabreicht bekommen würde.

Während der Zugfahrt nach Solothurn war mir zwar leicht flau im Magen, die Vorfreude überwog jedoch.

Meine 2. Reise
2 Kommentare
  1. Gabi 9 Monaten vor

    Sehr gut zu lesen . Ist aber auch ein spannendes Thema.

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Melden Sie sich an

oder    

Login Daten vergessen?

Kundenkonto anlegen

X